„Jawohl, Mutter! Das weiß ich. Es ſind die — Juden. Unſer Lehrer hat das ſchon oft in der Schule geſagt.“

Lachend klopft die Mutter ihrem Franz auf die Schulter.

„Donnerwetter, du biſt ja ein ganz geſcheiter Junge! Aber nun paß einmal recht gut auf, damit du auch das verſtehſt, was ich dir jetzt ſage. Ich wiederhole noch einmal: es gibt gute Pilze und es gibt ſchlechte Pilze. Es gibt gute Menſchen und es gibt ſchlechte Menſchen. Die ſchlechten Menſchen ſind die Juden. Aber es iſt oft recht ſchwer, die ſchlechten Menſchen von den guten zu unterſcheiden.“

„Das glaub' ich“, ſagt Franz, „das iſt oft genau ſo ſchwer, wie die giftigen von den eß⸗ baren Pilzen auseinanderzukennen.“

„Recht ſo!“ lobt die Mutter. Und dann ſpricht ſie weiter. Ganz ernſt iſt ſie geworden. „Die Juden ſind ſchlechte Menſchen. Sie ſind wie Giftpilze. Und wie Giftpilze oft ſchwer von den guten Pilzen zu unterſcheiden ſind, ſo iſt es oft ſehr ſchwer, die Juden als Gauner und Verbrecher zu erkennen. Wie die Giftpilze in den verſchiedenſten Far⸗ ben auftreten, ſo verſtehen es auch die Juden, ſich unkenntlich zu machen, indem ſie die verſchiedenſten Geſtalten annehmen.“

„Was für verſchiedene Geſtalten meinſt du da?“ fragt der kleine Franz.

Die Mutter merkt, daß ihr Kind die Sache doch noch nicht ganz verſtanden hat. Aber unverdroſſen erklärt ſie weiter.

„Alſo hör zu! Da gibt es zum Beiſpiel den Hauſierjuden. Mit Stoffen und allem mög⸗ lichen anderen Kram zieht er von Dorf zu Dorf. Er ſagt, ſeine Ware wäre die beſte und billigſte. In Wirklichkeit iſt ſie die ſchlechteſte und teuerſte. Ihm darf man nicht trauen!“ „Grad wie einem Giftpilz! Dem darf man auch nicht trauen!“

„Und genau ſo iſt es bei den Viehjuden, bei den Warenhausjuden, bei den Schächt⸗ juden, bei den Judenärzten, bei den getauften Juden und ſo weiter. Wenn ſie ſich auch noch ſo verſtellen, wenn ſie auch noch ſo freundlich zu uns tun, und wenn ſie tauſend⸗ mal ſagen, ſie würden es gut mit uns meinen, ſo dürfen wir das nicht glauben. Sie ſind nun einmal Juden und bleiben Juden. Sie ſind giftig für unſer Volk!“

„Wie die Giftpilze!“ ſagt Franz.

„Ja, mein Kind! Wie ein einziger Giftpilz eine ganze Familie töten kann, ſo kann ein einziger Jude ein ganzes Dorf, eine ganze Stadt, ja ſogar ein ganzes Volk vernichten.“ Franz hat die Mutter verſtanden.