Woran man die Juden erkennt

In der 7. Knabenklaſſe des Lehrers Birkmann geht es heute recht lebhaft zu. Der Lehrer erzählt von den Juden. Und das intereſſiert die Jungen ganz beſonders. Lehrer Birk⸗ mann hat auf die Tafel Bilder von Juden gezeichnet. Die Buben ſind begeiſtert. Selbſt der faulſte unter den Schülern, der „Schnarch⸗Emil“, iſt ganz bei der Sache und ſchläft nicht, wie dies in anderen Unterrichtsſtunden ſo häufig der Fall iſt. Herr Birkmann iſt aber auch ein feiner Lehrer. Alle Kinder haben ihn gern. Am meiſten aber freuen ſie ſich, wenn der Lehrer vom Juden erzählt. Und das kann Herr Birkmann meiſterhaft. Er hat in ſeinem Leben die Juden genau kennengelernt. Und er verſteht es, das alles ſo ſpannend zu ſchildern, daß die Buben am liebſten jeden Tag „Judenſtunde“ hätten. Lehrer Birkmann blickt auf die Uhr.

„Es iſt gleich zwölf Uhr“, ſagt er, „wir wollen nun zuſammenfaſſen, was wir in dieſer Stunde gelernt haben. Wovon haben wir geſprochen?“

Alle Kinder heben den Finger. Der Lehrer ruft den Karl Scholz auf, einen kleinen Knirps in der erſten Bank. „Wir haben darüber geſprochen, woran man den Juden erkennt.“ „Gut! Nun erzähle einmal darüber!“

Der kleine Karl greift nach dem Zeigeſtock, geht hinaus zur Tafel und deutet damit auf die Zeichnungen.

„Den Juden kennt man meiſtens an ſeiner Naſe. Die Judennaſe iſt an ihrer Spitze gebogen. Sie ſieht aus wie ein Sechſer. Daher nennt man ſie ‚Judenſechſer“. Ge⸗ bogene Naſen haben auch viele Nichtjuden. Aber bei ihnen iſt die Naſe nicht unten, ſondern ſchon weiter oben gebogen. So eine Naſe heißt man Hakennaſe oder Adlernaſe. Sie hat mit der Judennaſe nichts zu tun.“

„Recht ſo!“ ſagt der Lehrer. „Aber man kennt den Juden nicht nur an ſeiner Naſe ...“ Der Knabe erzählt weiter. „Man kennt den Juden auch an den Lippen. Seine Lippen ſind meiſtens wulſtig. Oft hängt die Unterlippe etwas herab. Dazu ſagt man „Schläp⸗ pern“. Und an den Augen erkennt man den Juden auch. Seine Augenlider ſind meiſtens dicker und fleiſchiger als die unſeren. Der Blick des Juden iſt lauernd und ſtechend.