So betrügen jüdiſche Händler
Feierabend! Blitzſauber gefegt iſt die Bauernſtube. Während draußen die Kinder noch fröhlich herumſpringen, richtet die junge Bäuerin das Abendbrot. Da öffnet ſich die Türe. Ein Mann tritt herein. Ein Jude iſt's! Die Bäuerin kennt ihn. Es iſt der Levy. Mit dem Vornamen heißt er Samuel. Als Hauſierer zieht er von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus. Am liebſten hätte ihn die Bäuerin gleich wieder hinausgewieſen. Aber Levy iſt ein echter Jude. Er iſt ſo frech und ſo aufdringlich, daß eine Frau kaum mit ihm fertig werden kann.
„Grüß dich Gott, Hofbäuerin!“ ſagt der Jude und ſtellt ſeinen Koffer auf den Tiſch. Ehe die Bäuerin geantwortet hat, packt der Jude ſchon aus. Und dann fängt er an zu reden: „Nu, da bin ich wieder! Schönes Wetter haben wir heut! Und wie geht's dir, Hof⸗ bäuerin? Was machen die lieben Kinderchen? Sind ja prächtige Buben und Mädels! Hab' ſie eben ſpielen geſehen! Da kann man ja gratulieren! — Aber nun zur Haupt⸗ ſache, Hofbäuerin! Ich hab' dir heut wieder mitgebracht was Feines. Prima Ware! Spottbillig! Prima Wäſche, prima Strümpfe, prima Nähfaden, prima Seide! Alles, was das Herz begehrt, der Levy hat es zu verkaufen!“
Die Bäuerin wehrt ab. Sie hat ſchon einmal bei dem Levy gekauft und iſt dabei ſchwer betrogen worden. Die „prima Ware“ war lauter Ramſch und Schund. Ein zweites Mal will ſich die Bäuerin aber nicht wieder von dem Juden hereinlegen laſſen. „Ich kauf nichts mehr“, ſagt ſie zu dem Levy und wendet ihm den Rücken.
Doch der Jude läßt nicht locker.
„Hofbäuerin, heut hab' ich für dich was ganz Beſonders. Schau dieſen Stoff an! Ein⸗ fach wunderbar! Reinſte Wolle! Das gibt ein Kleid für dich, Hofbäuerin, ein Kleid, du wirſt drin ausſehen wie eine Baronin, wie eine Fürſtin, wie eine Königin! Und billig kann ich dir ſagen! So billig kannſt du nirgends kaufen! Auf mein Ehrenwort, ich zahle drauf! Jawohl, du darfſt mir's glauben! Aber weil du's biſt, Hofbäuerin, geb' ich die Ware ſo billig! Du ſollſt haben deine Freude an mir! Du ſollſt ſehen, daß der Levy is ä anſtändiger Mann!“