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„Inge, ich hätte dich doch nicht zu einem Judenarzt ſchicken ſollen. Als du fort warſt, da machte ich mir ſchon Vorwürfe. Ich hatte keine Ruhe mehr. Am liebſten hätte ich dich gleich wieder zurückgerufen. Ich ahnte plötzlich, daß du doch recht hatteſt. Ich ahnte, daß dir etwas zuſtoßen würde. Aber nun iſt alles doch noch gut gegangen. Gott ſei Dank!“
So ſtöhnt die Mutter und hat Mühe, ihre Tränen zu verbergen.
Allmählich hat ſich Inge beruhigt. Nun lächelt ſie ſchon wieder. „Mutter, du haſt mir ſchon ſo viel Gutes getan. Ich danke dir dafür. Aber eines mußt du mir jetzt ver⸗ ſprechen: über den BDM. ...“
Die Mutter fällt ihrem Kinde ins Wort.
„Ich weiß ſchon, was du ſagen willſt, Inge. Ich verſpreche es dir. So allmählich merke ich, daß man ſogar von euch Kindern etwas lernen kann.“
Inge nickt.
„Du haſt recht, Mutter. Wir BDM.⸗Mädels, wir wiſſen ſchon, was wir wollen, auch wenn ihr uns nicht immer ſo ganz verſteht. Mutter, du haſt mich früher ſo manchen Spruch gelehrt. Heute will ich dir einen Spruch ſagen, den du dir merken mußt.“ Und langſam und bedeutungsvoll ſpricht Inge:
Den Judenarzt im deutſchen Land Hat uns der Teufel hergeſandt.
Und wie ein Teufel ſchändet er
Die deutſche Frau, die deutſche Ehr'.
Das deutſche Volk wird nicht geſunden, Wenn es nicht bald den Weg gefunden
Zu deutſcher Heilkunſt, deutſchem Sinn, Zum deutſchen Arzte fürderhin.“