Was Chriſtus von den Juden ſagte
Die Mutter war mit ihren drei Kindern auf dem Felde geweſen. Sie hatte für die Zie⸗ gen, die daheim im Stalle auf Futter warteten, friſches Gras gemäht. Ihr Töchterchen Gertrud hatte auf ihren kleinen Bruder im Kinderwagen aufgepaßt, während Georg im nahen Wäldchen Beeren ſuchte. Nun ſind ſie fertig. Langſam gehen ſie wieder nach Hauſe.
Georg wendet ſich an die Mutter.
„Du, Mutter, du haſt uns vorhin etwas vom Juden erzählt. Und du haſt geſagt, daß es nicht nur heute viele Leute gibt, die die Juden haſſen, ſondern es hätte auch ſchon vor mehreren tauſend Jahren Judengegner gegeben.“
„Ja, mein Kind“, ſagt die Mutter, „Judengegner gibt es ſchon ſo lange, als es Juden gibt. Die Juden waren zu allen Zeiten Gauner und Verbrecher. Sie haben früher ge⸗ nau ſo gelogen, betrogen und geſtohlen, wie ſie es heute tun. Kein Wunder alſo, wenn die Juden immer Feinde gehabt haben. Und in Zukunft wird das auch nicht anders ſein.“ „Das verſtehe ich“, ſagt die Gertrud, „aber eines will mir nicht in den Kopf, Mutter, das mußt du mir erklären. Ich hab' da in einem Buch geleſen, daß man früher die Juden oft arg verfolgt hat. Man hat ſie fortgetrieben oder eingeſperrt oder gar umgebracht. Das hätte man doch nicht tun ſollen . ..“
Georg fällt ſeiner Schweſter ins Wort.
„Natürlich mußte man das tun. Du weißt ja gar nicht, welche Verbrechen die Juden begangen haben. Sie haben oft ganze Dörfer und Städte ausgeraubt. Sie haben ſogar unſchuldige Kinder abgeſchlachtet. Wer aber ein Mörder iſt, der gehört ſelbſt umgebracht!“ Die Mutter nickt.
„Der Georg hat ganz recht. Man hätte ſogar noch ſtrenger zu den Juden ſein müſſen, dann wäre uns viel Unglück erſpart geblieben.“
Plötzlich hält die Mutter inne. Sie zeigt auf ein Kreuz, das rechts am Wege ſteht. „Kinder, ſchaut einmal da hin! Der Mann, der am Kreuze hängt, war einer der größten Judengegner aller Zeiten. Er kannte die Juden in ihrer Verdorbenheit und Nieder⸗