Der Gott der Juden iſt das Geld

Liſelotte ſitzt mit der Mutter am Fenſter. Draußen wird es ſchon dunkel. Die Abend⸗ dämmerung bricht herein. Die Mutter hat das Strickzeug weggelegt. Beide ſprechen kein Wort. Nachdenklich blickt Liſelotte zum Fenſter hinaus.

„Woran denkſt du?“ fragt die Mutter.

„Ich habe eben an Vater gedacht“, antwortet das Mädchen.

„Warum gerade an Vater?“ fragt erſtaunt die Mutter. Liſelotte ſtreicht das blonde Haar aus ihrer Stirn. Und dann ſpricht ſie:

„Mutter, ich denke oft daran, wie ſich der Vater für uns Tag für Tag plagen muß. In aller Frühe ſchon geht er in die Fabrik. Erſt am Abend kommt er wieder nach Hauſe. Und ſo geht das Jahr um Jahr. Es iſt doch ſo ſchwer, Geld zu verdienen!“

Die Mutter ſeufzt.

„Ja, mein Kind, du haſt recht. Aber heute iſt das doch anders geworden. Früher, als Vater arbeitslos war, da war es ſchlimm. Drei Jahre lang hatte der Vater nichts zu tun. Drei Jahre lang verdiente er nichts. Drei Jahre lang bekamen wir nur eine kleine Unterſtützung. Der Vater war am Verzweifeln. Er wollte doch ſo gerne arbeiten. Aber es gab keine Arbeit für ihn. Wir mußten hungern, nur damit wir für dich, Liſelotte, Milch kaufen konnten. Und Millionen anderer Männer waren ebenfalls arbeitslos. In den Arbeiterfamilien herrſchte eine Not, die nicht zu beſchreiben iſt. Ja, Kind, das war eine grauenhafte Zeit. Und ich werde dieſe Zeit in meinem ganzen Leben nie vergeſſen. Heute aber hat uns Adolf Hitler wieder Arbeit und Brot ge⸗ geben. Heute iſt es wieder eine Freude, arbeiten zu können. Arbeiten zu können für unſer Volk, für unſer Vaterland!“

Liſelotte lacht.

„Du, Mutter, weißt du, was ich mir ſchon oft gewünſcht habe? Ich möchte reich ſein. Sehr reich! Und mit meinem Gelde, da möchte ich die Menſchen glücklich machen. Da möchte ich den Armen helfen!“