„Alſo, paßt auf, Jungens! Das iſt nun ſchon viele, viele Jahre her. Ich war damals arbeitslos. Und ich war damals — das ſage ich euch ganz offen und ehrlich —, ich war damals ein Kommuniſt. Ja! Ich war ſo ein richtiger, Roter. Ich glaubte damals, daß der Hitler der Feind der Arbeiter ſei. Ich glaubte das alles, was in den roten Zeitungen ſtand. Ich wußte ja nicht, daß es nur die Juden waren, die uns Arbeiter verhetzten. Ich wußte nicht, daß die Juden es ſo haben wollten, daß ſich das deutſche Volk zer⸗ fleiſchte. Ich wußte nicht, daß die Juden die Todfeinde eines jeden geordneten Staates ſind!“

„Aber wir wiſſen das!“ ruft der kleine Richard wieder dazwiſchen, „wir hören das faſt jeden Tag in der Hitlerjugend und in der Schule!“

Der Kameradſchaftsführer wird böſe.

„Richard, halt' deine Klappe und laß den Herrn Hartmann weiterſprechen!“

Der Arbeiter lächelt. Und dann erzählt er weiter. .

„Ja, Buben, ſo war das damals. Ich glaubte eben den Volksverhetzern. Ich hatte keine Ahnung davon, was dieſe Gauner mit uns wollten. Eines Tages aber, da trat bei mir eine große Wandlung ein. Und das kam ſo: Im Wirtshaus „Zum Elefanten“ hatten die Kommuniſten eine Verſammlung einberufen. Ich war natürlich auch dabei. Zwei Redner ſprachen zu uns. Ich ſchaute mir die Herren etwas genauer an und merkte, daß ſie beide — Juden waren. Zum erſten Male wurde ich nachdenklich. Und als der eine Jude immer von Rußland ſprach und immer ſagte, daß es nur dort am ſchönſten ſei, da wurde ich zornig. Ich rief dazwiſchen: Warum reden Sie denn immer von Rußland? Wir ſind doch deutſche Arbeiter! Jawohl! Wir ſind Deutſche! Wir wollen etwas von Deutſch⸗ land hören und nicht von Rußland!“

„Sehr gut!“ ruft Richard wieder dazwiſchen.

„Ruhe!“ befiehlt der Kameradſchaftsführer und dreht dem Jungen ein paar böſe Augen hin.

Herr Hartmann erzählt weiter.

„Was ich nun erlebt habe, das werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergeſſen. Hinter mir ſchrien einige verhetzte Arbeitskameraden und ballten die Fauſt. Der Jude aber, der eben geſprochen und den ich mit meinem Zuruf unterbrochen hatte, kam in eine furchtbare Wut. Er brüllte mich an, hieß mich einen „blöden Kerl“, der von der Sache nichts verſtehe, und ſagte ſchließlich: „Wir pfeifen auf Deutſchland! Deutſchland