DIE HEILIGE STADT
Es gibt wohl kaum eine andere Stadt in der Welt, die im gleichen Masse die Verehrung der Menschheit geniesst, wie die kleine Bergstadt Jerusalem in dem kleinen Landstreifen Palästina, der von drei Religionen heilig gesprochen wurde.
Die Rolle, die Jerusalem und Palästina bei den Christen spielt, bedarf hier keiner näheren Erläuterung. Weniger bekannt ist der hohe Rang, den Jerusalem auch innerhalb der islamischen Religion einnimmt. Das geringe Verständnis für die Bedeutung und Heiligkeit, die der Stadt bei den Moslems zugemessen wird, erklärt sich aus den vielen falschen Vorstellungen, die sich der christliche Europäer auch heute noch vom Islam zu machen pflegt. Und diese sind wiederum Nachwirkungen jener tragischen Auseinandersetzungen, in die beide, einander eigentlich so nahen Religionen, im Laufe der Geschichte verwickelt wurden.
Die Kreuzzüge, die das Christentum des Westens zum ersten Mal in engere Berührung mit dem Kerngebiet des Islam brachten, führten unglücklicherweise nicht zu einer besseren Kenntnis des islamischen Gegners, sondern begründeten vielmehr jene verhängnisvolle Entfremdung und Verfeindung zwischen den Anhängern beider Religionen, die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen und immer wieder den Vorwand für politische Verwicklungen abgeben, deren wirklicher Grund nur sehr wenig mit Religion zu tun hat.
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