Der Grundton, der die christliche Stimmung gegenüber dem Islam beherrscht, ist die Besorgnis, dass die Moslems gerade alles das vernichten wollen, was dem Christen teuer und heilig ist und was ihm an seiner Religion als unbestreitbarer Fortschritt und Gewinn im Vergleich zur vorchristlichen Zeit erscheint. Aus dieser Einstellung werden auch die wiederholten Einwände gegen den Islam verständlich, die ihm vorwerfen, dass er gar nichts „Neues" bringe und daher auch nicht das Recht habe, sich selbst an die Stelle des Christentums zu setzen.
In Wirklichkeit wollte der Islam gar nichts Neues bringen, sondern nur den religiösen Kern, der allen vorhergehenden Religionen zugrunde lag, wieder aufdecken. „Mohammed glaubte sich — damals wie auch später — in Übereinstimmung mit dem Christentum," schreibt Dagobert von Mikusch in seiner Mohammedbiographie, „er trat als Reformator auf, nicht als Religionsstifter. Er sah sich nicht im Gegensatz zu Jesu, sondern als seinen Nachfolger, wie ihm — nach seiner Kenntnis — der Heiland selbst verheissen hatte. Er anerkannte die unbefleckte Empfängnis, die Fleischwerdung des Wortes, die Himmelfahrt Christi — und seine Sündenlosigkeit. Alle Menschen, sagte er, sind von Geburt an durch die Kralle des Teufels gezeichnet; ausgenommen sind allein Maria und Jesus. Mohammed selbst also rechnete sich nicht zu den Ausnahmen. Denn er fühlte sich nur als menschlich unvollkommenes Instrument der göttlichen Willensoffenbarung. Jesus dagegen ist ihm das lebendig gewordene Wort Gottes. Daher ist er sündlos. Daher konnte er sich mit Gott gleichsam identifizieren. Jesus ist der einzige, der im Koran von sich und