islamischen Standpunkt aus — der nachträglich durch die Entwicklung gerechtfertigt wird — vollzog sich dagegen im Laufe des 19. Jahrhunderts die Wiedergeburt der islamischen Welt. Für die Moslems enthält also die Geschichte der sogenannten Orientalischen Frage die Geschichte der Überwindung der historisch gewordenen Schwäche der islamischen Kultur und Zivilisation und deren Anpassung an die zeitlichen Verhältnisse. Wenn diese Wandlung ein volles Jahrhundert in Anspruch genommen hat — die Wandlung Europas nahm übrigens längere Zeit in Anspruch —, so sieht der moderne Moslem die Ursache dafür in zwei Gründen. Einmal macht er dafür den materiellen Niedergang der islamischen Länder verantwortlich, der — wie oben gesagt wurde — aus Gründen erfolgte, die nichts mit dem Islam selber zu tun hatten, dann aber die Einmischung des mächtig gewordenen Europa, die den Hauptinhalt der Orientalischen Frage bildet, soweit sie von europäischer Seite geschildert wurde, und die ebenfalls mit dem Islam selber nichts zu tun hat.
So erscheint den Moslems der Gegenwart die Wiedergeburt und Wiedererstarkung des Islam, diese „gigantische Umwälzung", die für Europa so überraschend ist, nur als die natürliche Konsequenz eines Gesundungsprozesses, der sich über ein ganzes Jahrhundert erstreckte und den „kranken Mann" während dieser Zeit naturgemäss als aktiven Faktor der Weltpolitik ausschaltete, ja ihn zeitweilig zum wehrlosen Opfer der Pferdekuren Europas machte.
Dieser Gesundungsprozess, genannt „die Orientalische Frage", kann hier nicht in allen geschichtlichen Einzelheiten verfolgt werden, aber er hatte strukturelle