Wie ein deutſcher Bauer von Haus und Hof vertrieben wurde

Ein heißer Auguſttag. Unbarmherzig brennt die Sonne vom Himmel herab. Kein Lüft⸗ chen regt ſich. Die Hitze iſt unerträglich. Selbſt die Vöglein, die vorher noch ſo luſtig geſungen haben, ſind verſtummt und ſuchen Schutz in den Baumwipfeln des kühlen Waldes. Nur für den Bauern gibt es kein Raſten und Ruhen. Es iſt Erntezeit. Der Angerbauer mäht. Seine ſcharfgeſchliffene Senſe durchſchneidet das von der Sonne gereifte Getreide, durchſchneidet roten Mohn und blaue Kornblumen. Hinten ſteht der Flurbauer mit ſeiner Frau. Und noch einer iſt dabei. Es iſt der Jude Roſenfeld. Er hat einen dicken Bauch. Seine Beine ſind krumm. Und krumm iſt auch ſeine dicke Naſe. Ganz wild redet er auf den Bauern ein. Mit ſeinen Händen fuchtelt er immer in der Luft herum. Und dabei wird ihm ſo heiß, daß ihm der Schweiß nur ſo von der Stirne rinnt.

Der Angerbauer vorne kümmert ſich nicht um die drei. Er arbeitet fleißig weiter. Da kommt ſein elfjähriger Sohn Paul. Er bringt dem Vater einen Krug mit friſchem Waſſer. Auch Brot hat er dabei. Erſtaunt blickt er auf den Juden. „Du, Vater, was will denn der Roſenfeld vom Nachbarn?“ So fragt der Junge.

Der Vater tut, als ob er die Frage gar nicht gehört hätte, und arbeitet weiter. Auf ein⸗ mal aber fängt er zu erzählen an:

„Bub! Das iſt ein furchtbares Unglück. Wie oft hab' ich den Flurbauern gewarnt! Wie oft hab' ich zu ihm geſagt: Heiner, mach mit Juden keine Geſchäfte! Aber er hat nicht auf mich gehört. Er hat ſich mit dem Juden Roſenfeld eingelaſſen. Er hat mit ihm Vieh⸗ geſchäfte gemacht. Später hat er ſich von ihm Geld leihen laſſen. Er hat Wechſel unter⸗ ſchrieben. Und das war das Schlimmſte, was er tun konnte. Der Jude hat gewuchert. Er hat den Flurbauern furchtbar betrogen. Und jetzt, jetzt will er auf einmal ſein ganzes Geld wieder zurückhaben. Der Flurbauer aber kann nicht auf einmal bezahlen. Und nun läßt der Jude ſeinen Hof verſteigern. Morgen ſchon kommt der Gerichtsvollzieher. Der Flurbauer, ſeine Frau und ſeine ſieben Kinder werden von Haus und Hof getrieben!“