„Die hab' ich von einem fremden Mann bekommen. Aber ſag ja der Mutter nichts! Der Mann hat mir's ſtreng verboten!“

Nun wurde Hans neugierig.

„Kann man da nicht auch mal welche kriegen?“

Elſe lachte. „Natürlich! Geh nur mit zur Ufergaſſe! Da läuft der fremde Mann immer herum!“

Hans klatſchte in die Hände. „Gut, ich gehe mit!“

Und dann nahm er die Schweſter bei der Hand und ging mit ihr fort.

Vor dem Hauſe des Kohlenhändlers Schulz ſtand ein dicker Mann. Er hatte einen dunklen Mantel an und einen Stock am Arm. Eine blaue Brille verbarg ſeine Augen. Hans hatte den Mann noch nie geſehen. Er wurde mißtrauiſch und blieb ſtehen. Aber Elſe ſagte:

„Du mußt ſchon mit mir hingehen, wenn du Bonbons haben willſt.“

Und der Hans gab nach.

Der Mann grinſte über das ganze Geſicht, als die Kinder vor ihm ſtanden. Dann griff er in die Taſche und zog eine Tüte Bonbons heraus. „Na da ſeid ihr ja, ihr lieben kleinen Kinder!“

Hans horchte auf. „Was der Mann für eine komiſche Sprache hat! Der redet ja durch die Naſe! Durch ſeine große, krumme Naſe! Der iſt vielleicht gar ein Jud'!“

Nun griff der Mann in die Tüte.

„Hier, Kleiner, haſt du etwas ganz Feines, etwas ganz Süßes! Aber dafür müßt ihr beide mit mir gehen! Ich zeige euch etwas recht Schönes! Etwas Wunderbares!“ Hans zögerte. Da wollte Elſe nach dem Bonbon greifen. Hans hielt ſie zurück. Er dachte: „Was will der Mann von uns? Warum ſollen wir mit ihm gehen?“

Plötzlich überfiel den Buben eine furchtbare Angſt.

„Du biſt ein Jude!“ ſchrie er. Und dann packte er ſeine Schweſter und rannte mit ihr, was er nur rennen konnte, davon. Vorne an der Straßenecke trafen ſie einen Schutz⸗ mann. Schnell erzählte Hans ſein Erlebnis. Der Wachtmeiſter ſetzte ſich ſofort auf ſein Motorrad. Bald hatte er den fremden Mann eingeholt. Er feſſelte ihn und nahm ihn mit ins Gefängnis.

Einen Tag ſpäter kam der Polizeirat in die Wohnung der Eltern der beiden Kinder. Lange ſprach er mit Vater und Mutter. Dann rief er den Hans zu ſich. Er ſagte: