Stelle, „dass in solchen Texten, wenn auch nur dunkel, erkannt wird, dass alle positiven Religionen, einbegriffen der Islam, im letzten Grunde ihres Seins nur zeitgeschichtlich gewordene Gestaltungsformen der bei allen Völkern gleichen Naturreligion sind, der Religion der Gesinnung und des Gewissens. Dass dieser Wesenspunkt des Islam von unserer zünftigen Schulweisheit bisher so völlig verkannt worden ist, hat bei den Moslems verständlicherweise die hellste Empörung und tiefste Verachtung europäischen, vorurteilsgebundenen „Wissens" hervorgerufen."
Nur unter gerechter Berücksichtigung dieses „Wesenspunktes" des Islam lässt sich das strahlende Gebäude der arabisch-islamischen Kultur begreifen, das unter Führung des arabischen Volkes zwischen den zwei äussersten Polen — Poitiers in Südfrankreich, wo die arabische Expansion im Westen zum Stillstand kam, und die Grenze Chinas, an der im gleichen Jahr 732 die arabischen Truppen den östlichsten Punkt ihres Vordringens erreichten — errichtet wurde und für Jahrhunderte den unbestreitbaren Höhepunkt der kulturellen Entwicklung der Menschheit, auch im Hinblick auf die materielle Kultur, darstellte.
Die Entstehung des glanzvollen Reiches der Khalifen ist engstens verbunden mit dem arabischen Volke, aus dessen Mitte Mohammed, der Träger der göttlichen Botschaft, stammte. Diese Leistung sichert dem arabischen Volke auch für die Gegenwart die Achtung, die den schöpferischen Völkern dieser Erde gebührt, selbst dann, wenn es nur eine Leistung der Vergangenheit wäre. Es muss daran erinnert werden, dass sich auch das Christentum des Ostens, auf dessen Kosten das islamische