Reich emporstieg, dem inneren Anspruch des Islam auf Reinigung der natürlichen Religion nicht völlig entziehen konnte.
In der erwähnten Mohammedbiographie Dagobert v. Mikuschs heisst es:
„Zu jener Zeit, als der Islam, von einem einheitlichen religiösen Gedanken beseelt, im Römischen Reich vordrang, hörte man von einem höchst eigentümlichen Versuch des Kaisers Heraklius, der Entzweiung in der Christenwelt ein Ende zu machen. Der ewige Streit ging um die beiden Naturen Christi, die göttliche und die menschliche. Heraklius fand nun eine Einigungsformel — eine recht spitzfindige rationale Spekulation — die den beiden christlichen Lagern annehmbar erscheinen sollte, aber die unbedingte Göttlichkeit Christi verwischte. Der Anstoss dazu kam unzweifelhaft vom Islam, der gerade in der Vergöttlichung Jesu einen Rückfall in die Vielgötterei sah. Diesen Haupteinwand gegen das Christentum wollte Heraklius beseitigen. Also offensichtlich eine Annäherung an die Religion Mohammeds, ein Einschwenken sozusagen in die Parallele mit ihr, mit dem ganz fernen Ziel eines schliesslichen Ineinandergehens beider. Aber dem Einigungsgedanken versagte sich Rom.... Der Islam war nicht die Ursache, aber gab den letzten Anstoss zu einer neuen Kristallisationsbildung in Europa. Der oströmische Kaiser, Leo der Isaurier, ist bekannt in der Geschichte als sogenannter Bilderstürmer. Wie schon Heraklius mit seinem Versuch, die umstrittene Frage der beiden Naturen Christi mehr im monotheistischen Sinne zu lösen, gedachte auch Leo die Hauptanschuldigung des Islam gegen das Christentum — die Vielgötterei und den Götzendienst — aus dem Wege