der Religion ein erhebliches Ansehen. Die Türken mochten als führendes Staatsvolk viele Vorteile geniessen, aber sie konnten und wollten die Auffassung nicht ausmerzen, dass ihr Reich eben das Weltreich der Moslems sei. Noch Abdul Hamid unterstrich diesen Standpunkt durch die von ihm inaugurierte panislamische Bewegung, und erst die Jungtürken vollzogen die Wendung zum Prinzip des Türkentums.
Aus diesen Verhältnissen ergab sich folgerichtig der Zustand, dass die Araber zunächst nicht nationale Rechte in Anspruch nahmen, die die Türken für sich selber ebenfalls noch nicht begehrten. Ihre Wünsche richteten sich in erster Linie auf eine Verbesserung der tief herabgesunkenen Verwaltung des Reiches und stimmten in dieser Beziehung mit den Zielen der türkischen Reformer durchaus überein. Allerdings begannen viele Araber die Türken, als die Angehörigen des führenden Staatsvolkes, für die bestehenden Missstände verantwortlich zu machen und die Frage zu erheben, ob nicht die Araber, als die ursprünglichen und geeigneten Träger des Islam, berufen seien, die Türken in der Rolle des Staatsvolkes abzulösen. Sie schoben die Schuld an dem Niedergang oder Stillstand des islamischen Lebens den Türken zu, die — gewissermassen als Fremdvolk den wahren Geist des Islam nicht erfasst hätten und deshalb das Reich zugrunde richteten. Solche Gedankengänge mussten natürlich das Bedürfnis nach einer Wiederherstellung der arabischen Kultur und des arabischen Selbstgefühls steigern.
Sie verbanden andererseits das Problem der religiösen Wiederbelebung mit den Aufgaben der arabischen Renaissance. Dieses Moment kann zum Verständnis der