politischen Gegenwart nicht scharf genug hervorgehoben werden, weil es den Schlüssel für eine Entwicklung gibt, die in Europa nur schwer verstanden wird. Obwohl aus gleichen Wurzeln entspringend, gehen die türkische und die arabische Nationalbewegung sehr verschiedene Wege. Dem europäischen Beschauer bietet sich zunächst ein scheinbar verwirrendes Bild. Er stellt fest, dass sich in der Form des sogenannten Panislamismus, den auch noch die Jungtürken und anfänglich sogar die Kemalisten vertraten, eine religiöse Wiederbelebung der islamischen Welt vollzieht, die allmählich von der aufkommenden nationalen, dem Panislamismus widersprechenden Bewegung durchkreuzt und zersprengt wird. Nach dieser Auffassung müsste die Wiedergeburt des Islam mit der Auflösung und dem Untergang der islamischen Welt enden — eine Erwartung, gegen die wieder, trotz des unbestreitbaren Aufstiegs der orientalischen Nationalbewegungen, zahllose Tatsachen der Erfahrung sprechen.
Der Fehler liegt eben in der mangelnden Kenntnis der inneren Entwicklungen, die ein intimes Vertrautsein mit der Gedankenwelt der beteiligten Völker voraussetzen. Wir müssen die Tatsache verzeichnen, dass die türkische Nationalbewegung ihre Selbstbesinnung auf das Türkentum und die gleichzeitige Aufrollung der religiösen Probleme dazu benutzt, um sich in einem vorher nicht erwarteten Masse vom Islam zu emanzipieren und aus der Gemeinschaft der islamischen Völker herauszulösen während die arabische Nationalbewegung, sehr im Gegensatz zur türkischen, ihre nationale Wiedergeburt unmittelbar mit der Wiederbelebung der ihr arteigenen Religion verbindet. Damit tritt die arabisch sprechende