nachgebildet waren. Als die Zeit des Gebets kam, lud der Patriarch den Khalifen ein, sein Gebet in der Auferstehungskirche zu halten — ein vielfach geübter Brauch; in Damaskus beteten Christen und Moslems noch siebzig Jahre auf verschiedenen Seiten der gleichen christlichen Kirche. Der Khalif jedoch weigerte sich, der Einladung zu folgen und hielt sein Gebet in der Eingangskirche, um — wie er erklärte — zu verhindern, dass die Moslems in Zukunft daraus das Recht herleiteten, entgegen den Bestimmungen der Kapitulation ebenfalls ihr Gebet in dieser Kirche abzuhalten.
Auf dem verödeten Tempelplatz suchte Omar den von Schutt bedeckten Felsen auf, der so eng mit der Nachtreise und Himmelfahrt Mohammeds verbunden ist. Über dem gereinigten Felsen liess Omar ein Bethaus errichten, das von späteren Khalifen erweitert und prächtig ausgebaut wurde. „Wenn bei Tagesanbruch das Sonnenlicht zum erstenmal die Kuppel trifft und die Trommel ihre Strahlen auffängt, dann bietet dieses Gebäude einen so wunderbaren Anblick, wie ich etwas Ähnliches im ganzen Islam nicht gesehen habe," schreibt Mugaddasi. Diese Worte haben, auch nach europäischem Urteil, heute noch volle Gültigkeit. Dieser Felsendom, meist Omar-Moschee genannt, steht auf dem Platz, der den Moslems der heiligste nach der Kaaba ist.
Unweit des Felsendoms erhebt sich die Masdschid Al-Aksa, die „Entfernteste Moschee" '. Sie soll den Platz bezeichnen, den Mohammed als das Ziel seiner nächtlichen Reise nannte, da der Name Jerusalem von ihm selber nicht gebraucht wurde. Der Felsendom und die „Entfernteste Moschee" bilden zusammen den Haram, das heilige Gebiet der Moslems in Jerusalem.