In den Jahren vor Ausbruch des ersten Weltkrieges lag das Amt des Mufti oder richtiger Grossmufti in den Händen von Sayyid Tahir Al-Husseini. Er führte wie seine Vorgänger den Titel eines Grossmufti, weil er als Mufti der Stadt Jerusalem über allen Muftis des Regierungsbezirkes Palästina stand. Zugleich wurde seine Stellung noch dadurch erhöht, dass er als oberster islamischer Geistlicher seines Bereichs auch den heiligen Stätten vorstand. So ist der Grossmufti Tahir Al-Husseini ein bedeutender Mann, dessen Einfluss wie der seiner Vorgänger weit über die Mauern Jerusalems und die Grenzen Palästinas hinausreicht. Mussa Kazim Pascha Al-Husseini, sein Bruder, hatte die Beamtenlaufbahn eingeschlagen und es seinerseits zu Würden gebracht. Er stieg bis zum Wali oder Gouverneur der ostanatolischen Provinz Diyarbekir auf.
Sayyid Tahir Al-Husseini hat mehrere Söhne, unter ihnen Kamil, der nach ihm das Amt des Grossmufti übernimmt. Ein anderer ist Fachri, der den Beruf eines Rechtsanwaltes ergreift. Im Jahre 1895 wird ihm sein jüngster Sohn geboren, der den Namen Amin erhält. Der junge Amin geht den Bildungsweg, der den Söhnen der guten Familien durch die Verhältnisse vorgeschrieben ist. Er besucht die türkische Elementar- und Oberschule, die ihn — da ihr Unterricht in türkischer Sprache erteilt wird — mit der Amtssprache des Landes vertraut macht. Im Jahre 1911, im Alter von 16 Jahren, schickt ihn die Familie an die Azhar-Universität, damit er die erforderlichen religionswissenschaftlichen Erkenntnisse erwerben kann. Es ist gleichzeitig die erste Schule, in der Amin in arabischer Sprache unterrichtet wird.
Mit seinem Studium an der Azhar-Universität wird