zu fünfzehn Jahren Zwangsarbeit begnadigt und schliesslich gänzlich amnestiert wurde. Als er in Ägypten eintraf, wurde er mit stürmischem Jubel empfangen.
Der junge Student Amin Al-Husseini musste aus diesen Ereignissen, die in Kairo genauer als in jeder anderen Stadt des Orients zu verfolgen waren, seine Lehren ziehen. Auf der anderen Seite war auch Ägypten selber eine gute Schule für den werdenden arabischen Führer. Die Universität, an der er studierte, war von jenem Mohammed Abduh reformiert worden und von seinem Geist erfüllt, der in der letzten Zeit seines Lebens selber Mufti Ägyptens gewesen war wie Amins Vater und Bruder in Palästina. Die Sprache dieses „revolutionären" Mufti hatte auf die Theologiestudenten an der „Azhar" aufrüttelnd gewirkt. Wenn auch Mohammed Abduh schon eine Reihe von Jahren tot war, so lebte doch sein Geist in den Höfen der grossen Hochstätte islamischen Geistes noch immer.
„Es gibt keine Politik ohne Macht", hatte Mohammed Abduh gesagt, „keine Macht ohne Hilfsbereitschaft, keine Hilfsbereitschaft ohne Einigkeit, keine Einigkeit ohne Gehorsam, keinen Gehorsam ohne Glauben, keinen Glauben ohne lebendige Religion, keine lebendige Religion ohne Erziehung." „Die Abneigung gegen die Fremdherrschaft", schreibt er ein andermal, „ist dem Menschen instinktiv von der Natur aus mitgegeben. Die Ablehnung der Fremdherrschaft ist ein menschliches Gefühl, das auch bei der unkultiviertesten Nation zum Ausdruck kommt. Was die Moslems an religiösen Predigten empfangen, warnt sie vor der Ergebenheit gegenüber der Herrschaft desjenigen, der ihnen der Rasse und Religion nach nicht gleich ist."