Amin Al-Husseini:
Grossmufti von Palästina

Page 51

Normalized
transcript

zu fünfzehn Jahren Zwangsarbeit begnadigt und schliesslich gänzlich amnestiert wurde. Als er in Ägypten eintraf, wurde er mit stürmischem Jubel empfangen.

Der junge Student Amin Al-Husseini musste aus diesen Ereignissen, die in Kairo genauer als in jeder anderen Stadt des Orients zu verfolgen waren, seine Lehren ziehen. Auf der anderen Seite war auch Ägypten selber eine gute Schule für den werdenden arabischen Führer. Die Universität, an der er studierte, war von jenem Mohammed Abduh reformiert worden und von seinem Geist erfüllt, der in der letzten Zeit seines Lebens selber Mufti Ägyptens gewesen war wie Amins Vater und Bruder in Palästina. Die Sprache dieses „revolutionären" Mufti hatte auf die Theologiestudenten an der „Azhar" aufrüttelnd gewirkt. Wenn auch Mohammed Abduh schon eine Reihe von Jahren tot war, so lebte doch sein Geist in den Höfen der grossen Hochstätte islamischen Geistes noch immer.

„Es gibt keine Politik ohne Macht", hatte Mohammed Abduh gesagt, „keine Macht ohne Hilfsbereitschaft, keine Hilfsbereitschaft ohne Einigkeit, keine Einigkeit ohne Gehorsam, keinen Gehorsam ohne Glauben, keinen Glauben ohne lebendige Religion, keine lebendige Religion ohne Erziehung." „Die Abneigung gegen die Fremdherrschaft", schreibt er ein andermal, „ist dem Menschen instinktiv von der Natur aus mitgegeben. Die Ablehnung der Fremdherrschaft ist ein menschliches Gefühl, das auch bei der unkultiviertesten Nation zum Ausdruck kommt. Was die Moslems an religiösen Predigten empfangen, warnt sie vor der Ergebenheit gegenüber der Herrschaft desjenigen, der ihnen der Rasse und Religion nach nicht gleich ist."

English
translation

was commuted to fifteen years of forced labor, and he was eventually granted a complete amnesty. When he arrived in Egypt, he was received with stormy jubilation.

The young student Amin Al-Husseini had to draw lessons from these events, which could be followed more closely in Cairo than in any other city of the Orient. Egypt itself, on the other hand, was also a good school for the future Arab leader. The university where he studied had been reformed by that Muhammad Abduh and filled with his spirit. During the final period of his life, Abduh himself had been Mufti of Egypt, as Amin’s father and brother were in Palestine. The language of this “revolutionary” mufti had a stirring effect on the theology students at al-Azhar. Although Muhammad Abduh had already been dead for a number of years, his spirit still lived in the courtyards of the great stronghold of Islamic learning.

“There is no politics without power,” Muhammad Abduh had said, “no power without helpfulness, no helpfulness without unity, no unity without obedience, no obedience without faith, no faith without living religion, no living religion without education.” “Aversion to foreign rule,” he writes elsewhere, “is instinctively given to human beings by nature. Rejection of foreign rule is a human feeling that is expressed even among the least cultivated nation. What Muslims receive in religious sermons warns them against submitting to the rule of one who is not their equal in race or religion.”