aber er stand jetzt an der Spitze der arabisch-palästinensischen Exekutive, dem Verwaltungsorgan des arabisch-palästinensischen Kongresses, in dem die Organisationen der islamischen und christlichen Araber vereinigt waren. Abgesehen davon, dass er für das Amt eines Mufti keine religiösen Voraussetzungen mitbrachte, war er ausgesprochen der politische Vertreter der arabischen Parteien.
In dieser Situation verfielen die Engländer auf ein oft geübtes Rezept: „Die Zunge des ärgsten Feindes lässt sich durch ein Amt besänftigen." Der Sohn des vorletzten und Bruder des letzten Grossmufti hatte ihnen bisher am rigorosesten Widerstand geleistet. Als Mufti würde er nicht mehr gut schiessen können.
So regten sie an, Amin Al-Husseini zum Grossmufti und Vorsitzenden des Obersten Islamischen Rates zu wählen, und der Rat tat es einstimmig. Damit begann der Kampf um die Zukunft der arabischen und islamischen Welt. Das Amt, das dem sechsundzwanzigjährigen Amin übertragen wurde, war ehrenvoll, aber formal nicht mehr als eine begrenzte Funktion in einem kleinen und unfreien Land. Von dem Mann, der es übernahm, hing es ab, wozu dieses Amt dienen würde.
Der neue Grossmufti war sich klar darüber, dass die Lage Palästinas besonders ungünstig war. Der Irak stand in der Zeit seines Amtsantritts gerade im Aufstand gegen die Engländer. Der Aufstand wurde niedergekämpft, aber die irakischen Freiheitswünsche wurden nicht erstickt. Schritt für Schritt rang das irakische Volk den Engländern Konzessionen ab, denn es hatte nur gegen diese zu kämpfen. In Syrien kam es wenige Jahre später zu einem grossen Aufstand. Er wurde ebenfalls